Die Anfang Oktober 2026 abgehaltene 70. Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) hat ohne ein Schutzgebiet für Wale im Südatlantik geendet. Die nötige Dreiviertelmehrheit für das von Brasilien, Argentinien und Uruguay beantragte South Atlantic Whale Sanctuary (SAWS) kam nicht zustande. Die Schweiz war ebenfalls vor Ort und spielte eine kritische Rolle. Sie zog ihre eigene Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen vor gezielter Jagd zurück.
Franziska Saalmann, Meeresbiologin bei Greenpeace Deutschland, hat die Verhandlungen vor Ort begleitet. Sie bedauert, dass mehrere Schutzanträge ausgebremst oder voreilig zurückgezogen wurden: «Diese Konferenz der Internationalen Walfangkommission hätte ein historischer Erfolg zum 40. Jahrestag des Walfangmoratoriums werden können. Doch auch im 80. Jahr des IWC-Bestehens wird der weltweite Schutz der Wale von den immer gleichen Ländern ausgebremst.»
Geplantes Schutzgebiet im Südatlantik hätte den Meeresschutz vorangebracht
Das geplante Schutzgebiet im Südatlantik – mehr als doppelt so gross wie die USA – hätte den Meeresschutz einen wichtigen Schritt vorangebracht und das Momentum für weitere Schutzmassnahmen geliefert. Saalmann fährt fort: «Somit steckt in dieser Niederlage ein Auftrag: Bei der anstehenden ersten UNO-Hochseeschutzkonferenz im kommenden Januar müssen sich die Teilnehmer:innen umso stärker dafür einsetzen, dass mit dem neuen Abkommen ein globales Netz vollständig geschützter Gebiete entsteht.»
Wichtige Unterstützer-Nationen für den Walschutz fehlten
Bei der Abstimmung in Hobart für das von Brasilien, Argentinien und Uruguay beantragte Wal-Schutzgebiet im Südatlantik (South Atlantic Whale Sanctuary, SAWS) fehlten für die nötige Dreiviertelmehrheit (43 Stimmen) vier Stimmen. Wichtige Unterstützer-Nationen für den Walschutz wie Finnland und Luxemburg waren in diesem Jahr nicht vor Ort.
Schweiz verhinderte Schutz von Delfinen und Kleinwalen
Neben den Angriffen auf das Moratorium durch die Walfang-Lobby hat auch die Schweiz eine kritische Rolle in Hobart gespielt. Trotz Zuspruch nahmen sie ihre eigene Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen vor gezielter Jagd vorzeitig zurück.
EU gab keine Rückendeckung und Unterstützung
Die EU wiederum hat es verpasst, diesem Vorschlag mehr Rückendeckung und Unterstützung zu geben. Ihre eigens vorgeschlagenen Massnahmen zu Beifang, Schiffskollisionen und Strandungen konnten beschlossen werden, da sie unstrittiger waren und eben nicht gezielt den Walfang adressierten.
Keine nötigen Fortschritte erzielt
Auch wenn das Walfangmoratorium noch mit grosser Mehrheit verteidigt wurde, hat das Treffen nicht die erhofften und nötigen Fortschritte gebracht: «Diese IWC hat leider gezeigt, dass unsere Meere weiterhin unter enormem Druck politischer Machtinteressen stehen», schliesst Saalmann.