Neue EU-Regeln gegen Greenwashing stellen Herausforderungen an die Unternehmen

Seit dem 27. September 2026 gelten strengere Vorgaben für Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel. Für Unternehmen steigen damit die Anforderungen an ihre Nachhaltigkeitskommunikation.

Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie «Empowering Consumers for the Green Transition» gelten in Deutschland seit dem 27. September strengere Anforderungen an Nachhaltigkeitsaussagen gegenüber Konsumenten. Pauschale Begriffe wie «umweltfreundlich», «grün» oder «klimafreundlich» dürfen künftig nicht mehr ohne entsprechende Nachweise verwendet werden. Auch Nachhaltigkeitssiegel sind nur noch zulässig, wenn sie auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlichen Stellen festgesetzt wurden.

Green Claims unter Druck: Was jetzt zählt

Wer Nachhaltigkeit bislang vor allem kommunikativ genutzt hat, verliert Spielraum. Unternehmen, die dagegen tatsächlich in Materialreduktion, eine bessere Recyclingfähigkeit, den Einsatz von Rezyklaten oder andere messbare Verbesserungen investieren, könnten von den neuen Regeln profitieren. Je weniger Raum für allgemeine Nachhaltigkeitsversprechen bleibt, desto sichtbarer wird der Unterschied zwischen einem «grünen Anstrich» und echter Nachhaltigkeitsleistung.

Für Markenartikel- und Verpackungshersteller etwa kann darin eine Chance liegen: Konkrete und belegbare Verbesserungen am Produkt gewinnen als Differenzierungsmerkmal an Bedeutung.

Was die Konsumenten wirklich überzeugt

Ein Blick auf die Konsumentenperspektive zeigt zudem: Nachhaltigkeit wird nicht allein über Labels wahrgenommen. In der aktuellen Simon-Kucher-Studie zu nachhaltigen Produktverpackungen (X) nennen 49% der Befragten einen möglichst geringen Materialeinsatz als wichtiges Erkennungsmerkmal für nachhaltige Verpackungen. Offizielle Umweltlabels werden dagegen nur von 26% genannt. Die Ergebnisse zeigen: Für die Wahrnehmung nachhaltiger Verpackungen können konkrete Eigenschaften wichtiger sein als ein Label allein.

Warum die neuen Regeln zum Wettbewerbsvorteil werden können

Für Unternehmen kommt es jetzt darauf an, bestehende Green Claims nicht lediglich durch neue zu ersetzen. Gefragt sind belastbare Aussagen, die auf nachweisbaren Verbesserungen bei Produkt und Verpackung beruhen. «Darin liegt die strategische Chance: Je weniger Spielraum für pauschale Nachhaltigkeitsversprechen bleibt, desto stärker können konkrete und belegbare Nachhaltigkeitsleistungen zur Differenzierung beitragen. Wer solche Fortschritte klar und glaubwürdig kommunizieren kann, schafft eine bessere Grundlage, sich vom Wettbewerb abzuheben», sind die Experten überzeugt.

Die neuen Regeln sind damit nicht nur eine regulatorische Hürde. Sie können den Wettbewerb stärker auf tatsächliche Nachhaltigkeitsleistung lenken und gerade den Unternehmen einen Vorteil verschaffen, die bei ihren Produkten und Verpackungen nachweisbare Fortschritte erzielen. Wer diese Vorteile auch vertrieblich nutzt, kann daraus zusätzliche Wachstumschancen ableiten und sich die Möglichkeit eröffnen, Marktanteile zu gewinnen.

Über Simon-Kucher

Simon-Kucher ist eine globale Unternehmensberatung mit mehr als 2’000 Mitarbeitenden in über 30 Ländern. Mit rund 40 Jahren Erfahrung in Monetarisierung und Pricing gilt sie als weltweit führend in den Bereichen Preisberatung und Unternehmenswachstum.